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Lehre im Sommersemester 2015

Hier finden Sie eine Zusammenstellung der Lehrveranstaltungen, die im Sommersemester 2015 von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Husserlarchivs für Studierende angeboten werden. Bitte beachten Sie, dass das Angebot aufgrund der Verpflichtungen von Prof. Dr. Hans-Helmuth Gander als Dekan der philosophischen Fakultät derzeit deutlich eingeschränkt ist.

Hauptseminar: Menschenrechte und Menschenrechtspraxis im internationalen Vergleich

Prof. Dr. Hans-Helmuth Gander, Prof. Dr. Daniel Leese

Im Rahmen dieses Hauptseminars wollen wir uns mit unterschiedlichen Konzepten von Menschenrechten in China und Europa beschäftigen. Hierbei werden sowohl philosophische Definitionen als auch die konkrete Ausgestaltung der Menschenrechtspraxis zum Gegenstand der Auseinandersetzung werden.

Der Kurs findet in Kooperation der Fächer Philosophie und Sinologie statt und wird im Rahmen des Lehrkonzepts „China als Methode“ von einem interdisziplinären Dozententeam unterrichtet.

Für die Vorbereitung der Pflichtlektüre sind gute Englischkenntnisse erforderlich.

Zielgruppe

Fortgeschrittene Studierende der Philosophie und Sinologie im Haupt- und Nebenfach. Das Hauptseminar steht sowohl Bachelor- wie Masterstudierenden offen.

Literatur

Als vorbereitende Lektüre empfehlen wir:

  • Stefan Gosepath und Georg Lohmann (Hrsg.), Philosophie der Menschenrechte, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1998.
  • Marina Svensson, Debating Human Rights in China. A Conceptual and Political History, Oxford: Rowman and Littlefield 2002.

 

Hauptseminar: Phänomenologie und Ontologie

PD Dr. Fausto Fraisopi

Welche Beziehung besteht zwischen Phänomenologie und Ontologie? Sollte man die Phänomenologie als Ontologie betrachten oder ist die Phänomenologie der Horizont, in dem eine Ontologie, um streng zu sein, einwurzeln sollte? In den Ideen III behauptet Husserl deutlich, dass, an sich, “Ontologie nicht Phänomenologie” ist [Hua. V, S. 129]. Im Gegenteil: Die Radikalisierung des Problems der Ontologie vom phänomenologischen Standpunkt lässt uns zu folgender Überzeugung kommen: „Es gibt keine Ontologie neben einer Phänomenologie, sondern wissenschaftliche Ontologie ist nichts anderes als Phänomenologie“ [GA 20, S. 98]. Welche ist dann die kritische Schwelle, die Phänomenologie und Ontologie artikulieren lässt und systematisches Denken? Nach eine Betrachtung der ontologischen Dimensionen des phänomenologischen Entwurfs (Ontologie in den Logischen Untersuchungen, Ontologie in der Transzendentalphänomenologie, Ontologie der phänomenologischen Wissenschaftstheorie und Ontologie der Lebenswelt), werden wir systematisch die Verbindung zwischen Ontologie und Phänomenologie betrachten, im Sinne einer Einschließung der Ontologie im Horizont der Phänomenologie als meta-ontologischer Ansatz (in Verbindung mit den gegenwärtigen Debatten über die Metaontologie). Die Phänomenologie als Mathesis, d.h. als Theorie von möglichen Theorienformen entwickelt grundsätzlich eine Meta-ontologie als Horizont, in dem die Ontologien (die zu den Theorien gehören) mit der formalen Ontologie interagieren sowie mit den Strukturen der Intentionalität, die solchen Theorien und ihren zugehörigen Ontologien eine Evidenz verschaffen. In dieser komplexen Situation wird es möglich, von einer phänomenologischen Ontologie bzw. Meta-ontologie zu reden.
Literatur
  •  E. Husserl, Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie, Erstes Buch, Kapp. I. 1,  IV.3; Drittes Buch, Die Phänomenologie und die Fundamente der Wissenschaften, Kapp. I, III, IV; Id. Transzendentale Phänomenologie und Philosophie als universale Wissenschaft in absoluter Begründung, Hua. IX, S. 296-301; Id., Formale und Transzendentale Logik, B. Phänomenologische Aufklärung der Doppelseitigkeit der formalen Logik als formaler Apophantik und formaler Ontologie, Kapp. IV-V;
  • L. Landgrebe Regions of Being and Regional Ontologies in Husserl’s Phenomenology. In: Apriori and World, Nijhoff Texts, Volume 2, 1981, S. 132-151
  • M. Schwab – D. Woodruff Smith, Metaphysics and Ontology, in Routledge Companion to Phenomenology, London, Routledge, 2012, S. 373-383.

 

Interpretationskurs: Logische Untersuchungen

PD Dr. Fausto Fraisopi

Das Wesen einer Phänomenologie als strenger Wissenschaft, die die Phänomene als eigene Objekte hat, kann nur durch die genauere Textlektüre der Logischen Untersuchungen erscheinen, die auch als Propädeutik für ein allgemeines Verständnis der phänomenologischen Bewegung (bei Husserl und nach Husserl) dienen kann. Die Logischen Untersuchungen erscheinen sowohl als eines der Hauptwerke der Philosophie Husserls als auch als Ausgangspunkt der Phänomenologie und der sogenannten Arbeit an den Phänomenen, die die Phänomenologie methodisch skizziert. Die sechs logischen Untersuchungen aber entwickeln nicht nur die Grundthemen und die Grundprobleme einer phänomenologischen Philosophie, sondern helfen auch, die entscheidenden Themen der gegenwärtigen Philosophie darzustellen und analytisch zu entwickeln: die Bedeutungslehre, die Theorie der Abstraktion und der Genese von logischen Idealitäten, die Mereologie, die Theorie einer reinen Grammatik, die Theorie der intentionalen Akte und, letztlich die Themen einer nicht-metaphysischen und metaphysisch neutralen Erkenntnistheorie. Wir werden die Struktur des Werkes Husserls analytisch betrachten vom Standpunkt der Idee der Mathesis universalis, wie sie in der Prolegomena zur reinen Logik dargestellt wird und versuchen, die Untersuchungen in ihrer thematischen Einheit zu lesen und zu kommentieren. 

Literatur
  • E. Husserl, Logische Untersuchungen. Zweiter Band: Untersuchungen zur Phänomenologie und Theorie der Erkenntnis, in zwei Bänden, Husserliana 19.

 

Seminar: Einführung in die phänomenologische Sozialphilosophie. Sozialität und Alterität.

Dr. Regula Giuliani

Im Proseminar wird eingeführt in die phänomenologische Sozialphilosophie. Ausgangspunkt ist die Intersubjektivitätslehre Husserls: Wie konstituiert sich in der Erfahrung eine Zwischenwelt der Sozialität? Wie können Gemeinsamkeiten, Gemeinschaften, Institutionen in ihrer Entstehungsgeschichte beschrieben werden? Behandelt werden Sozialphilosophen, die direkt oder indirekt an Husserls phänomenologische Lehre angeknüpft haben: Alfred Schütz, Paul Ricœur, John R. Searle, Cornelius Castoriadis, Michel Foucault.

Literatur
  • Leitfaden im Proseminar ist das neue Buch von Bernhard Waldenfels mit dem Titel Sozialität und Alterität. Modi sozialer Erfahrung, das im Frühjahr 2015 erscheinen wird. 

 

Seminar: Kants Grundlagen zur Metaphysik der Sitten und Metaphysik der Sitten II

Dr. Martin Baesler

Die Metaphysik der Sitten behandelt nach Kant die Moral oder die Sittenlehre aus Prinzipien der Vernunft a priori. Sie bildet damit den ersten und grundlegenden Teil der Sittenlehre Kants, auf den die als empirische Wissenschaft entwickelte Anthropologie folgt. Kant teilt die Philosophie in die Metaphysik der Natur und die Metaphysik der Sitten – die Metaphysik der Sitten und ihre Grundlegung behandelt also den Grundbau von Kants Ethik oder Sittenlehre. In diesem Interpretationskurs wollen wir uns im ersten Semester Schritt für Schritt in diesen Grundbau einarbeiten: Was bedeutet Moral für Kant? Was ist unter seinen Begriffen Freiheit, Wille, kategorischer Imperativ versus hypothetischer Imperativ, und Gesetz zu verstehen? Dazu werden wir uns in Kants Grundlegung der Metaphysik der Sitten und Kants Metaphysik der Sitten detailliert einlesen. Im zweiten Semester werden wir Gelegenheit haben, Kants Aufbau der Sittenlehre kritisch zu untersuchen.

Dabei werden sich folgende Fragen stellen: Was bedeutet es, dass wir uns nach Vernunft selbst bestimmen können? Die Idee der Freiheit durch Selbstbestimmung nach Vernunft ist eine geniale Idee – aber wie verhält sich diese zu unserem Begehren nach Glückseligkeit? Sind sie wirklich voneinander getrennt, wie bei Kant, oder lässt sich doch eine Verbindung zwischen der Selbstgesetzgebung der Vernunft und unserem natürlichen Streben nach Glückseligkeit finden?

 

Seminar: Kants Kritik der praktischen Vernunft

Dr. Martin Baesler

In der Kritik der praktischen Vernunft hat Immanuel Kant seine praktische Philosophie grundgelegt. Die Schrift handelt von der Frage, ob reine Vernunft einen Bestimmungsgrund für den Willen abgibt und somit praktisch sein kann. Denn nur wenn die Vernunft die Kausalität des Willens bestimmen kann, ist der Mensch wirklich frei. Kant argumentiert, dass diese Frage über die reine Vernunft beantwortet werden kann. Voraussetzung dafür ist eine prinzipielle Trennung des Objektiven vom Subjektiven, was dazu führt, dass die subjektive Erfüllung als Ziel einer Ethik vor einer reinen Pflichtenethik zurücktreten muss. In unserem Seminar werden wir uns ausgiebig mit dieser Argumentation auseinandersetzen und die Grundzüge von Kants praktischer Philosophie nachvollziehen.

 

Seminar: Michel Serres (ausgewählte Texte)

Dr. Dr. Martin Dornberg

Das Werk des zeitgenössischen französischen Philosophen Michel Serres wird international und auch in Deutschland zunehmend rezipiert. In seinen Werken beschäftigt er sich insbesondere mit der Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaften. Der Parasit steht für eine integrative Theorie biologischer und menschlicher Lebewesen, der Politik, aber auch der Physik, der Informationstheorie, der Kybernetik, der Beobachtung sowie der Medialität überhaupt. Serres Theorien wurden insbesondere von der Systemtheorie, der Medientheorie und in der modernen Soziologie aufgenommen.

Anhand von Ausschnitten aus u.g. Werken M. Serres werden wir uns an seine Philosophie annähern. Begleitend zum Seminar wird im Mai eine Ausstellung in der Galerie T66 Freiburg und eine Veranstaltungsreihe zum Mensch-Tier-Verhältnis u.a. in Kooperation mit Prof. Fetzner/Hochschule Offenburg durchgeführt (www.metaspace.de/Dokumentation/Buzz)

Primärliteratur
  • Serres, Michel (1987): Der Parasit. Frankfurt
  • Serres, Michel (2005): Atlas. Berlin
  • Serres, Michel (2013): Erfindet Euch neu. Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation, Frankfurt
  • Serres, Michel (2009): Das eigentliche Übel, Berlin
Sekundärliteratur (u.a.):
  • Gehring, Petra (2006): Michel Serres. In: Stephan Moebius, Dirk Quadflieg (Hrsg.): Kultur. Theorien der Gegenwart. Wiesbaden, 471-480
  • Jochum, Richard (1998): Komplexitätsbewältigungsstrategien in der neueren Philosophie: Michael Serres. Frankfurt am Main
  • Bexte, Peter (2011): Michel Serres. In: Kathrin Busch, Iris Därmann (Hrsg.): Bildtheorie aus Frankreich: ein Handbuch. München, S. 361–369.
  • Dornberg, Martin./Fetzner Daniel: Das parasitische Manifest. Teil 1. Kritik der parasitären Vernunft, siehe: http://www.metaspace.de/buzz/manifest.pdf

 

Seminar: Erfahrung, Be-geisterung und Atmung bei Heidegger

Choong-Su Han

In unserem Seminar „Erfahrung, Be-geisterung und Atmung bei Heidegger“ setzen wir uns mit dem Begriff der Erfahrung bei Heidegger auseinander. Im Aufsatz „Der Ursprung des Kunstwerkes“ spielt das Phänomen der Erfahrung mit dem im Gemälde „Ein Paar Schuhe“ dargestellten Zeug eine grundlegende Rolle für die Wesensbestimmung des Zeuges als „Verlässlichkeit“ sowie für die der Kunst als „Sich-ins-Werk-Setzen der Wahrheit“. Trotz dieser grundlegenden Funktion findet der Begriff der Erfahrung dort keine nähere Erklärung. Im Seminar machen wir diese Problematik zunächst deutlich, indem wir auf den genannten Aufsatz eingehen. Außerdem betrachten wir Nietzsches Schrift „Die Geburt der Tragödie“, die uns Heideggers Kunstphilosophie unter einem neuen Blickwinkel betrachten lässt. Um das Phänomen der Erfahrung bei Heidegger begrifflich zu bestimmen, ziehen wir seine Erläuterung der Hölderlinschen Hymne „Wie wenn am Feiertage ...“ heran. Daraus ergibt sich, dass das Wesen der dichterischen Erfahrung in der „Begeisterung“ besteht, die wir als Inspiration und Einatmung auslegen. Um diese Auslegung zu untermauern, ziehen wir die Schriften Merleau-Pontys über Cézanne hinzu, die sich mit der Erfahrung des Malers beschäftigen und sie als „Atmung“ aufzeigen. Wir schließen unser Seminar damit, eine Aufzeichnung aus den „Schwarzen Heften“ zu betrachten: „Das Seyn ist der Aether, in dem der Mensch atmet.“ (GA 94, S. 231.). In den Seminarsitzungen interpretieren und diskutieren wir die ausgewählten Schriften gemeinsam.

Literatur
  • Martin Heidegger, „Der Ursprung des Kunstwerkes“, in: Holzwege (GA 5), hrsg. von F.-W. von Herrmann, Frankfurt am Main 1977.
  • Martin Heidegger, „‚Wie wenn am Feiertage ...‘“, in: Erläuterungen zu Hölderlins Dichtung (GA 4), hrsg. von F.-W. von Herrmann, Frankfurt am Main 1981.
  • Martin Heidegger, Überlegungen II-VI (Schwarze Hefte 1931-1938) (GA 94), hrsg. von P. Trawny, Frankfurt am Main 2014.
  • Friedrich Nietzsche, „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ (Kritische Studienausgabe Band 1), hrsg. von G. Colli/M. Montinari, München 1980.
  • Maurice Merleau-Ponty, „Der Zweifel Cézannes“, in: Das Auge und der Geist. Philosophische Essays, hrsg. von C. Bermes, Hamburg 2003.
  • Maurice Merleau-Ponty, „Das Auge und der Geist“, in: Das Auge und der Geist. Philosophische Essays, hrsg. von C. Bermes, Hamburg 2003.
  • Paul Cézanne/Joachim Gasquet, „Das Motiv“, in: Gespräche mit Cézanne, hrsg. von M. Doran und übers. von J. Bischoff, Zürich 1982.

 

Vorlesung: Struktur und Dynamik des Wissens

PD Dr. Fausto Fraisopi

Schon wenn man sich mit der elementaren Artikulation bzw. dem Explizieren des Wortes „Philosophie“ beschäftig, hat man es mit einer Vieldeutigkeit von Wissensformen (epistêmai bzw. technai) zu tun. Was sind und was sollen die Wissensformen? Haben Sie eine Genealogie bzw. Entstehung? Haben sie eine invariante Struktur bzw. Struktur-invarianten, die uns gerade sie als Wissens-formen nennen lässt? Wie verhalten diese sich untereinander, z.B. in transdisziplinären Kontexten? Wir werden in der Vorlesung die Möglichkeit haben, die Wissensformen vom Standpunkt einer strukturalistischen Metatheorie zu betrachten, um die ursprüngliche Idee einer Theorie von möglichen Theorienformen (als Mathesis universalis) zu erneuern. Am Ende der Archäologie des Wissens formuliert Foucault durch die Figur eines  imaginären Gegners eine These, die es uns erlaubt, die ganze Methode dieses Werkes zusammenzufassen: Die allgemeine These der Archäologie des Wissens ist eine theoretische Metathese, d.h. eine metatheoretische These. Was erscheint, rückgängig, im Werk Foucaults, wenn es vom Standpunkt dieser metatheoretischen These betrachtet wird?  Wir werden, nach dieser methodischen Frage, die Struktur und die Grundargumente der Archäologie des Wissens betrachten, um ihre gründliche Perspektive zu fixieren. Die Idee selbst eines archäologischen Ansatzes, die aus der Aufhebung der Idee eines Subjekts (oder des reinen Subjekts überhaupt als egologischer Pol) entstammt, ist eben die Idee einer vollständigen Autonomie der Entstehung und der Dynamik der Wissensformen von jedem anthropologischen Substrat. Diese Öffnung eines thematischen Felds wird uns die Möglichkeit geben, die Strukturen und die Dynamik des Wissens zu „modellieren“ aufgrund der Fixierung und einer Erweiterung des strukturalistischen Theorienkonzepts (Sneed-Stegmüller).  Wir werden schließlich eine solche Archäo-dynamik phänomenologisch und spekulativ interpretieren im Licht der Möglichkeit einer Mathesis universalis.  
Literatur
  • M. Foucault. Archäologie des Wissens, Frankfurt a. M., Suhrkamp, 1981
  • W. Stegmüller, The Structuralist View of Theories. A possible Analogue of the Bourbaki Programme in Physical Science, Springer, 1979.
  • W. Stegmüller, Theorienstrukturen und Theoriendynamik, Springer, 2008 (II Aufl.)
  • J. D. Sneed, The Logical Structure of Mathematical Physics, Dordrecht, Reidel, 1971
  • W. Balzer – C. U.Moulines, (eds.), Structuralist theory of science, Focal Issues, New Results, Berlin, de Gruyter, 1996.
 

UCF Kurs: Nachhaltigkeit

PD Dr. Fausto Fraisopi

Nachdem die nachhaltige Entwicklung als strategische Herausforderung unserer Zeit anerkannt worden ist, ist sie ein Forschungsgegenstand geworden, der mehrere Gebiete der Wissenschaft einschließt, um das Bewusstsein einer neuen Lebensform zu entwickeln und zu bauen. Wie können wir die nachhaltige Entwicklung transdisziplinär denken? Ist das wirklich möglich? Die nachhaltige Entwicklung als transdisziplinärer Gegenstand und als transdisziplinäres Forschungsfeld charakterisiert sich vielmehr als ein Moment, in dem unser Wissen eine neue Form der Fragestellung erfordert, um die Zukunftsperspektive unseres gemeinsamen Lebens aufzufassen. In diesem begrifflichen Raum stellt die wirkliche Struktur und die historische Rolle der Betrachtung einer möglichen nachhaltigen Entwicklung die notwendige Voraussetzung dar, um unsere Zukunft richtig zu planen. Wir werden unser Seminar durch die Benutzung von verschiedenen Werkzeugen und Dokumenten transdisziplinär strukturieren und leiten. Das Seminar ist in drei Teile gegliedert: 1. Horizonte der nachhaltigen Entwicklung (Die Problematik; Die Felder der nachhaltigen Entwicklung); 2. Ökologisches Denken als transdisziplinärer Ansatz (Die Ideen der Natur; Mensch und Natur; Das ökologische Denken);  3. Die nachhaltige Entwicklung als anthropologische, wissenschaftstheoretische und politische Herausforderung (Die Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung; Ökoethik; Ökowirtschaft und Ökopolitik).
Materialien und Literatur
  • J. Appleton, Values in Sustainable Development. New York, 2014; Ch. U. Becker, Sustainability Ethics and Sustainability Research. Dordrecht, 2011; Y.-A. Bertrand Home (Dokumentarfilm): https://www.youtube.com/watch?v=TIYikJKTyb0
  • K. de Laplante (ed.), Philosophy of Ecology, North Holland, 2001
  • L. H. Newton, Ethics and Sustainability: Sustainable Development and the Moral Life. Upper Saddle River, NJ, 2003
  • B. G. Norton, Searching for Sustainability: Interdisciplinary Essays in the Philosophy of Conservation Biology. Cambridge, UK, 2003
  • B. G. Norton: Sustainability: A Philosophy of Adaptive Ecosystem Management. Chicago, IL 2005
  • M. Schäfer, Wörterbuch der Ökologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2003
  • M. Schoenfeld, Plan B: Global Ethics on Climate Change: the Planetary Crisis and and Philosophical Alternatives. London, UK, 2012
  • V. Shiva, … schließlich ist es unser Leben. Bern, 1993
  • V. Shiva : Biodiversität – Plädoyer für eine nachhaltige Entwicklung, Bern, 2001
  • Ch. Wissel, Theoretische Ökologie.  Berlin 1998.
 
 

Weiterbildungskurse

Wirtschaftsphilosophie und Unternehmensethik. Modul I

Prof. Dr. Hans-Helmuth Gander, Dr. Philippe Merz (Geschäftsführer Thales-Akademie)

Der Kurs bietet eine praxisnahe berufsbegleitende Weiterbildung für heutige und zukünftige Verantwortungsträger aus Wirtschaft und Gesellschaft. Im I. Modul werden die zentralen Fragen und Argumentationswege der Wirtschaftsethik erarbeitet, die Hintergründe, Stärken und Schwächen unserer Wirtschaftsordnung beleuchtet, konkrete Perspektiven des verantwortungsvollen Konsumverhaltens aufgezeigt und das dominante Verständnis vom Menschen als ,homo oeconomicus‘ hinterfragt (Mikro-Ebene).

Methodisch setzt sich das Modul aus E-learning und Präsenzterminen zusammen, die von ausgewiesenen Dozierenden aus Philosophie, Soziologie sowie Wirtschafts- und Kulturwissenschaften geleitet werden.

Am Ende des I. Moduls haben die Teilnehmenden ihre wirtschaftsethische Expertise substanziell erweitert und eine eigenständige Haltung sowie konkrete Handlungsstrategien zu folgenden Fragen entwickelt: Welche Hintergründe und Strukturen prägen unsere marktwirtschaftliche Ordnung, und wie wirken sich diese im beruflichen und privaten Alltag aus? Wie stark wird unser Handeln vom Leistungs- und Wettbewerbsdenken beeinflusst, und was bedeutet dies für unsere Vorstellungen von Glück, Erfolg und Wohlstand? Was ergibt sich für unseren Umgang mit Kollegen, Geschäftspartnern und Kunden, wenn wir uns selbst und andere nicht nur als „homo oeconomicus“ oder Eigennutzen-Maximierer, sondern auch als soziale und kooperationsorientierte Wesen verstehen?

Weitergehende Informationen:
  • Veranstalter: Thales-Akademie für Wirtschaft und Philosophie in Kooperation mit der Universität Freiburg
  • Beginn: September 2015
  • Veranstaltungsart: Berufsbegleitender Weiterbildungskurs
  • Zielgruppe: Der Kurs richtet sich an alle, die heute oder in Zukunft Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen.
  • Voraussetzungen: Abgeschlossenes Hochschulstudium oder mind. zweijährige Berufserfahrung
  • Organisatorischer Ansprechpartner: Thales-Akademie für Wirtschaft und Philosophie (Philippe Merz)

 

Wirtschaftsphilosophie und Unternehmensethik. Modul II

Prof. Dr. Hans-Helmuth Gander, Dr. Philippe Merz (Geschäftsführer Thales-Akademie)

Das II. Modul der berufsbegleitenden Weiterbildung widmet sich den grundlegenden Herausforderungen der Unternehmensethik (Meso-Ebene) sowie der Ökonomisierung von immer mehr Gesellschaftsbereichen (Makro-Ebene). Auch dieses Modul setzt sich methodisch aus Selbststudium und Präsenzphasen zusammen, die von ausgewiesenen und praxiserfahrenen Dozierenden verschiedener Disziplinen geleitet werden.

Die Teilnehmenden erarbeiten unterschiedliche Konzepte der Unternehmensverantwortung sowie die Fähigkeit, gängige CSR-Maßnahmen auf ihre Umsetzbarkeit zu überprüfen. Anschließend analysieren sie anhand konkreter Fallbeispiele die innerbetrieblichen Auswirkungen unterschiedlicher Leistungsanreize und Vergütungssysteme sowie verschiedene Führungsstrategien mit ihren jeweiligen Konsequenzen (bspw. kontroll- versus vertrauensorientierte Führung). Abschließend rückt die Frage in den Vordergrund, inwieweit das wachstums- und wettbewerbsorientierte Denken immer weiter in alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche vordringt (wie etwa ins Bildungs- und Gesundheitswesen), welche Vorzüge und welche Gefahren hierdurch entstehen und welche Mittelwege sich sowohl für den Einzelnen als auch für ein Unternehmen und die Gesellschaft als ganze umsetzen lassen.

Zum Ende des Moduls haben die Teilnehmenden ihr Wissen über die Umsetzungsmöglichkeiten unternehmerischer Verantwortung vertieft, Strategien einer langfristig erfolgreichen Personalführung entwickelt und Einblicke in unterschiedliche Modelle von Gerechtigkeit, Wettbewerb und Wachstum erhalten. Zudem haben sie ihre eigenständige ethische Urteilskraft geschärft und können folgende Fragen beantworten: Wie weit reicht die soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen? Welche konkreten Maßnahmen sind hier sinnvoll und für ein jeweiliges Unternehmen umsetzbar? Wie lässt sich das Spannungsverhältnis von Kooperation und Konkurrenz sowohl innerbetrieblich als auch mit Geschäftspartnern und Kunden konstruktiv austragen? Erleben wir tatsächlich eine schleichende Ökonomisierung und Konkurrenzfixierung in vielen Lebensbereichen? Und falls ja: Wie genau können wir hierauf reagieren?

Weitergehende Informationen:
  • Veranstalter: Thales-Akademie für Wirtschaft und Philosophie in Kooperation mit der Universität Freiburg
  • Beginn: März 2016
  • Veranstaltungsart: Berufsbegleitender Weiterbildungskurs
  • Zielgruppe: Der Kurs richtet sich an diejenigen, die heute oder in Zukunft Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen.
  • Voraussetzungen: Berufserfahrung oder abgeschlossenes Hochschulstudium
  • Organisatorischer Ansprechpartner: Thales-Akademie für Wirtschaft und Philosophie (Philippe Merz)

 

 

 

 

 

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